Du hast ein Buch geschrieben. Du möchtest es als Hörbuch veröffentlichen. Du suchst eine Sprecherin und plötzlich landet eine Mail nach der anderen in deinem Postfach: „Ich würde dein Projekt gerne per Royalty Share umsetzen!“
Klingt gut. Klingt unkompliziert. Klingt nach einer Lösung.
Und ich verstehe vollkommen warum. Wenn gefühlt alle Sprecherinnen dasselbe anbieten, wirkt es wie der Standard. Wie das Modell das in dieser Branche einfach so funktioniert.
Ich möchte dir heute ehrlich erklären was dahinter steckt. Nicht um dich zu kritisieren, sondern weil ich denke dass du als Autor verdienst zu wissen worauf du dich einlässt. Und damit wir beide eine faire Basis finden können.
Warum so viele Sprecherinnen Royalty Share anbieten
Die kurze Antwort: Weil es viele gibt die neu in der Branche sind, noch keine Erfahrung haben und froh sind überhaupt ein Projekt zu bekommen. Royalty Share ist für sie ein Weg reinzukommen, auch wenn das Risiko dabei komplett bei ihnen liegt.
Das ist keine Kritik an diesen Menschen. Aber es erklärt warum du so viele ähnliche Mails bekommst. Ein Kursanbieter, viele Schüler und dadurch eben auch viele sehr, sehr ähnliche Mails. Und es erklärt auch warum Royalty Share mittlerweile als Standard wahrgenommen wird, obwohl es das eigentlich nicht ist.
Was Royalty Share bedeutet und für wen es gedacht war
Beim Royalty Share arbeitest du als Autor ohne Vorabkosten. Die Sprecherin investiert ihre Zeit, ihr Equipment und ihre Ausbildung, und bekommt dafür einen Anteil der Verkaufseinnahmen, meistens über Plattformen wie Audible oder ACX.
Klingt fair, oder? Beide tragen Risiko, beide profitieren.
Aber schau dir die Zahlen mal genauer an. Bei Audible bleiben nach Plattformgebühren oft nur wenige Cent pro Verkauf bei der Sprecherin. Wenn sich dein Buch 200 Mal verkauft, sind das im besten Fall ein paar Euro. Für eine Produktion die je nach Länge viele Stunden Arbeit bedeutet.
Ganz zu schweigen davon, dass ein ACX-Profil mit welchem viele werben rechtlich in einer Grauzone liegt, weil ACX eigentlich nicht für den deutschen Markt gedacht ist. Aber eine Postkasten Adresse in der UK ist anscheinend sehr schnell besorgt und man umgeht Gebühren von Verlagen.
Das unsichtbare Problem: Reichweite
Hier liegt der Punkt den viele unterschätzen: Ein Hörbuch verkauft sich nicht von alleine. Egal wie gut die Produktion ist.
Wenn dein Buch noch keine Leserschaft hat, keine Community, keine Sichtbarkeit, dann ist Royalty Share für die Sprecherin eine Wette auf etwas das noch gar nicht existiert. Und das ist ein sehr einseitiges Risiko.
Das bedeutet nicht dass dein Buch schlecht ist. Es bedeutet nur dass Royalty Share nur dann wirklich fair ist, wenn beide Seiten etwas einbringen. Du deine Reichweite und deinen Vermarktungsplan, die Sprecherin ihre Stimme und ihr Handwerk.
Was Sprecherinnen wirklich mitbringen
Ich sage das nicht um anzugeben, sondern weil es wichtig ist es zu verstehen: Eine professionelle Sprecherin ist kein Talent das vom Himmel gefallen ist. Es ist ein Handwerk das Jahre kostet.
Ich habe bisher mindestens 20.000 Euro in meine Ausbildung investiert. Synchronworkshops, Gesangsunterricht, Schauspielunterricht, Mikrofonschauspiel, Sprechgestaltung, Phonetik und und und. Dazu kommen Jahre an Erfahrung und hunderte Stunden Arbeit an meiner Stimme.
Wenn ich per Royalty Share arbeite, bringe ich das alles mit. Ohne Garantie auf eine Gegenleistung.
Wann Royalty Share für mich funktioniert
Ich schließe Royalty Share nicht aus. Aber ich bin ehrlich darüber was ich mir dabei wünsche.
Wenn du als Autor einen echten Vermarktungsplan hast, bereits eine Community aufgebaut hast oder genau weißt wie du das tun willst, und wenn wir das Projekt wirklich gemeinsam angehen, dann bin ich dabei. Dann ist es keine einseitige Wette mehr, sondern eine echte Partnerschaft.
„Ich glaube an mein Buch“ ist ein schöner Anfang. Aber „Ich habe einen Plan und lass uns das gemeinsam rocken“ ist der Anfang einer Zusammenarbeit auf die ich mich wirklich freue.
Was ich mir von Autoren wünsche
Sei einfach ehrlich. Wenn du kein Budget hast, sag es. Wenn du Royalty Share möchtest, erklär mir warum du denkst dass es für uns beide funktionieren kann. Zeig mir deinen Plan. Das ist keine hohe Hürde, das ist einfach die Basis für eine gute Zusammenarbeit.
Und wenn du ein Budget hast aber dachtest Royalty Share wäre der Standard: Jetzt weißt du es besser. Und ich freue mich auf deine Anfrage.
Eine echte Alternative: Veröffentlichung über Piet Henry Records
Als Mitglied bei Kunstwerk Hören habe ich Zugang zu vergünstigten Veröffentlichungsmöglichkeiten über Piet Henry Records. Das bedeutet für dich als Autor: Du musst nicht in eine rechtliche Grauzone, du bekommst eine professionelle Veröffentlichung zu fairen Konditionen, ohne Umwege über ausländische Postadressen und ohne versteckte Risiken.
Wenn dich das interessiert, sprich mich gerne direkt darauf an. Wir schauen gemeinsam ob es für dein Projekt passt.
Fazit
Royalty Share ist nicht böse und nicht falsch. Es ist ein Modell das unter den richtigen Bedingungen funktionieren kann. Aber es ist kein Standard und es sollte keine Erwartung sein.
Als Sprecherin bringe ich mein gesamtes Handwerk mit. Was ich mir wünsche ist ein Gegenüber das dasselbe tut, egal ob mit Budget oder mit einem echten gemeinsamen Plan.
Ich freue mich auf Projekte bei denen wir gemeinsam etwas Großes schaffen. Schreib mir einfach.