Bevor ich als Sprecherin hinter dem Mikrofon stand, habe ich gesungen. Zwölf Jahre lang war ich Teil der Hamburger Alsterspatzen an der Hamburgischen Staatsoper.
Ohne diese intensiv prägende Zeit würde ich heute anders sprechen, anders atmen und völlig anders an eine Rolle herangehen.
Was ein Kinderchor an der Staatsoper wirklich lehrt
„Kinderchor an der Oper“ klingt erst einmal niedlich. In der Praxis steckt dahinter ein knallhartes technisches Fundament. Was ich in diesen zwölf Jahren gelernt habe, ist geblieben:
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Integrierte Atemtechnik: Stützen und Atmen, ohne dass man aktiv darüber nachdenken muss.
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Gehör & Intonation: Ein feines Gespür für Nuancen, Tonhöhen und saubere Artikulation.
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Bühnenpräsenz unter Druck: Wer als Kind vor vollem Haus auf einer Opernbühne steht, weiß was es bedeutet mit Druck und Nervosität umzugehen. Nervosität ist kein Grund, die Kontrolle über die eigene Stimme zu verlieren. Die gelernte Kontrolle hilft mir heute bei Aufnahmen im Homestudio enorm.
Ergänzt wurde dieses Fundament durch die Summer Workshops an der Joop van den Ende Academy (2013 und 2014), in denen Bühnenarbeit, Performance und körperlicher Ausdruck im größeren Rahmen im Fokus standen. Natürlich hatte ich aber auch privaten Gesangsunterrecht und Stimmbildung.
Wie Musikalität meine Arbeit im Studio prägt
Stimmkontrolle ist für mich also kein reines Bauchgefühl, sondern geschultes Handwerk mit musikalischem Unterbau.
Ich lese Texte nicht nur, ich höre ihren Rhythmus, erfasse Satzmelodien und steuere die Dynamik in einer Zeile gezielt. Bei Vertonungen für Hörspiel, Hörbuch, Synchron und Werbung bekommt eine Figur bei mir nicht nur einen emotionalen Ausdruck, sondern ihre ganz eigene Klangfarbe und Melodie.
Musikalische Grundausbildung als Fundament
Wenn ich gefragt werde, wie mein Weg ins Sprech- und Synchronfach aussah: Ich komme nicht aus einem theoretischen Seminar, sondern aus zwölf Jahren praktischer Stimm- und Gehörschulung unter professioneller Leitung an einer der bekanntesten Opernbühnen Deutschlands.
Stimme ist Handwerk und meins hat an der Hamburgischen Staatsoper angefangen, lange bevor ich das erste Mal ein Hörspiel-Skript in der Hand hatte. Genau das meine ich mit: Charakterstimme statt Klischee.